MYCOWOOD

Welches Nachwuchstalent träumt nicht davon, einst auf einer Stradivari zu spielen, dem Nonplusultra der Geigenbaukunst?
Doch leider sind diese Instrumente rar – und für die meisten unerschwinglich. «Nachbauten» von ähnlicher Klangqualität tun also gut.Francis Schwarze hat sie zusammen mit einem Schweizer Geigenbauer erschaffen: Mit Hilfe des Pilzes Physisporinus vitreus der ganz bestimmte Strukturen im Fichtenholz abbaut, gelang es ihm, Holz mit hervorragenden Klangeigenschaften herzustellen. Selbst ihr Vorbild überflügelten die „Pilzgeigen“: An einer Fachtagung 2009 traten zwei von ihnen in einem Blindtest gegen eine Stradivari an.

Der Klang der Opus 58 (9 Monate pilzbehandelt) gefiel der Fachjury und dem Tagungspublikum besser als ein Instrument des italienischen Meisters aus Cremona.
Das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien am Geigenprojekt ist nach wie vor sehr gross.

Am 1. September 2009 wurde es ernst für Empa-Forscher Francis Schwarze und den Schweizer Geigenbauer Michael Rohnheimer: Ihre aus pilzbehandeltem Holz hergestellten Geigen traten in einem Blindtest gegen eine Stradivari des Cremoneser Geigenbaumeisters Antonio Stradivari aus dem Jahre 1711 an.

Der britische Starviolinist Matthew Trusler spielte dazu fünf verschiedene Geigen hinter einem Vorhang, so dass das Publikum die Instrumente nicht erkennen konnte. Bei diesen Instrumenten handelte es sich um Truslers eigene zwei Millionen Dollar teure Stradivari, zwei pilzbehandelte sowie zwei unbehandelte Modelle von Michael Rohnheimer.

Eine Fachjury und die Tagungsteilnehmer beurteilten anschließend die Klangqualität der Geigen. Von den mehr als 180 Testern gefielen einer überwältigenden Mehrheit von 90 Personen die Klänge der pilzbehandelten Geige „Opus 58“ am besten. Die Stradivari erreichte mit 39 Stimmen den zweiten Platz.
113 Teilnehmer hielten gar die Opus 58 für die Stradivari. Opus 58 ist aus einem Holz hergestellt, das am längsten, nämlich während neun Monaten, mit Pilzen behandelt worden war.

Downloaden und / oder hören Sie den Unterschied zwischen der behandelten Geige und der nicht behandelten Geige:

Geigen aus pilzbehandeltem Holz brauchen den Vergleich mit einer Stradivari nicht zu scheuen, wie der Blindtest vor Fachpublikum ergab.
Allerdings gibt es die Klangwunder erst als Einzelstücke.
Empa researchers are currently working hard to optimize the fungal treatment and standardize the method so that biotech violins can be produced in larger quantities in the future.

Damit die Biotech-Geigen künftig in grösserer Zahl hergestellt werden können, arbeiten die Empa-Forscher derzeit daran, die Pilzbehandlung zu optimieren und zu standardisieren. Für die Fortsetzung seines Projekts «MycoWood» hat Francis Schwarze in der Walter Fischli-Stiftung einen neuen Geldgeber gefunden.
Walter Fischli – Mitgründer der Biotech-Firma Actelion und selber begeisterter Hobby-Geiger – hat beschlossen, Schwarze zu unterstützen: „Meiner Meinung nach wäre es unverzeihlich gewesen, dieses interessante Projekt, das Wissenschaft und Geigenbau so ideal verbindet, auslaufen zu lassen.“

Empa-Forscher ermitteln gegenwärtig systematisch Schallgeschwindigkeit, Schalldämpfung und Dichte des Klangholzes.
Ultraschallexperten entwickeln Methoden, um nachzuweisen, in welchen Bereichen der Fäulnispilz aktiv war und wo nicht. Und Profis für optische Messverfahren setzen Verfahren ein, mit denen abgebildet werden kann, wie verschiedene Klanghölzer und auch ganze Instrumente akustisch abstrahlen.

Später ist es dann auch wichtig, mit Fachleuten der Psychoakustik zusammenzuarbeiten, um zu verstehen, wie Violinspieler und Zuhörer die Musik einer Pilzgeige wahr- und aufnehmen.

DOWNLOADS

Stradivari – Klang dank Pilzbefall

Geigen wie von Stradivari: Pilze verbessern Holzklang

Stradivari’s Heirs – How Scientists Uncover the Secrets of the Stradivari