Interview über Holzmastenpflege der Firma Swisscom

Wir sind sehr zufrieden, mit den Pilz-Produkten eine vielversprechende und biologische Lösung gefunden zu haben – Mark Neuhaus, Leiter Technical Management der Swisscom

Auch in der Zeit der Internet-Telefonie: In der Schweiz stehen immer noch mehr als eine Million Holzmasten, davon gehören eine halbe Million der Swisscom. Und die Umwelteinflüsse setzen ihnen zu, u.a. auch weil sie von holzzersetzenden Pilzen befallen sind.

Mark Neuhaus ist der Leiter des Technical Management der Swisscom und sein Team ist verantwortlich für den gesamten Unterhalt und Betrieb des Telefonnetzes und unser Interview-Partner:

Wie gross ist der Aufwand für den Unterhalt ihres Mastennetzes?

Der Aufwand ist erheblich. Wegen holzzerstörenden Pilzen im Boden müssen Masten vorzeitig ausgewechselt werden. Dies bedeutet viel Aufwand, da diese Arbeit oft ohne die Hilfe von Maschinen erledigt werden muss. Mit unserem Partner-Unternehmen Cablex tauschen wir jährlich 3000 bis 5000 Masten aus. Die Kosten dafür betragen jedes Jahr mehrere Millionen Franken.

Wie sind Sie vorgegangen, um das Problem zu lösen?

Zusammen mit der Empa haben wir ein KTI-Projekt (Kommission für Technologie und Innovation) gestartet, um die Lebensdauer der Holzmasten auf dem heutigen Niveau zu halten bzw. zu verlängern. In Gebieten mit den grössten Mast-Ausfällen wurden die Schädlingspilze gesammelt und im Empa-Labor analysiert. Nach vielen Monaten intensiver Arbeit wurde ein Pilz als natürlicher Gegenspieler gezüchtet, der die Schädlingspilze in Schach hält und sie auf natürliche Art und Weise bekämpft. Die bisherigen Feldstudien haben uns überzeugt, den Versuch zu wagen, mit diesem biologischen Produkt, die Standdauer unserer Masten zu verlängern.

Um was genau handelt es sich bei diesem Pilz-Produkt?

Es handelt sich um ein Granulat mit der Bezeichnung Avengelus, welches um die neuen Masten herum ins Erdreich eingestreut wird. Prof. Dr. Francis Schwarze von der Forschungsanstalt Empa hat das Produkt zusammen mit seinem Team entwickelt. Wir haben als Industriepartner dabei unterstützt. Das eigens für die Telefonmasten entwickelte Granulat beinhaltet den natürlichen Gegenspieler und kann sogar Pilzarten dezimieren, welche resistent gegen Kupfer sind.

Haben Sie bereits praktische Erfahrungen mit Avengelus?

Seit diesem Jahr setzen wir Avengelus im Rahmen eines erweiterten Feldtests bei jedem Mastenaustausch ein. Wir haben 3000 Beutel bestellt und stellen fest, dass die bisherige Zusammenarbeit reibungslos läuft.

Wie hatte die Swisscom ihre Masten bisher geschützt?

Bis anhin wurden die Masten mit CKB (Chrom, Kupfer, Bor) imprägniert. Chrom und Bor stehen allerdings auf dem Prüfstand und werden wohl in der EU ab 2019 verboten werden. Der Trend geht in Richtung chromfreie Schutzmittel.

Welche Schwierigkeiten erwarten Sie in Zukunft und was bedeuten diese für Sie?

Bisher hatten unsere Masten eine Standdauer von ca. 30 bis 35 Jahren, was im europäischen Vergleich sehr hoch ist. Wir wissen von Telekom-Betrieben in Deutschland, die ihre Holzmasten deutlich schneller ersetzen müssen. Dies, weil in der EU die Vorschriften an Holzschutzmittel viel schärfer sind und somit nur noch CK-Schutzmittel (Chrom und Kupfer) eingesetzt werden. Die Entwicklung geht nun in Richtung chromfreie Imprägniermittel sowie tiefere Einbringmengen pro Mast, was einerseits die Holzschutzmittel-Hersteller vor grosse Herausforderungen stellt, andererseits aber die Böden schont. Wir haben früh reagiert und sind glücklich, mit den biologischen Pilz-Produkten von MycoSolutions bereits eine vielversprechende Lösung gefunden zu haben.

 

Weshalb setzen Sie keine Masten aus Beton oder Stahl ein?

Holzmasten haben immer noch grosse Vorteile gegenüber Masten aus Beton oder Stahl. Sie sind kostengünstig, bringen eine hohe Leistung und haben ein viel geringeres Gewicht. Für unsere Montage-Equipen wären Stahl- oder Betonmasten nicht mehr zu handhaben.

Wie wichtig war der Umweltschutz bzw. die Nachhaltigkeit bei Ihren Überlegungen?

Swisscom setzt seit Jahren auf Nachhaltigkeit und ist sich ihrer Verantwortung als führendes CH-Unternehmen bewusst. Interessant war für uns von Anfang an die Idee, unser Mastennetz mit einem biologischen und nachhaltigen Verfahren zu schützen. Damit können wir einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Wie zufrieden sind Sie mit den neuen Pilz-Produkten?

Es ist klar, dass wir noch keine Langzeit-Ergebnisse vorweisen können. Dies ist aber bei neuen Produkten immer der Fall. Doch sehen wir aus den bisherigen Feldtest-Resultaten, wie gut die Pilze arbeiten. Wir sind sehr zufrieden.

 

 

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