Trichoderma – Erfolgreicher Einsatz des Nützlingspilzes gegen Fäulepilze an Bäumen

Weltweit werden in der Landwirtschaft schon seit den 1920er Jahren Stämme verschiedener Trichoderma–Arten in der biologischen Schädlingsbekämpfung angewendet. Von den derzeit bekannten 33 Trichoderma-Arten werden insbesondere T. harzianum und T. atroviride in der Pflanzenproduktion, an Rasen, Zierpflanzen und in Baumschulen eingesetzt.

Durch die umfangreichen Forschungsarbeiten von Prof. Francis Schwarze (St. Gallen, Schweiz) ist es nun möglich bestimmte Trichoderma harzianum-Stämme auch gegen bedeutsame Fäulepilze an Bäumen einzusetzen. Hierzu wurden zunächst besonders konkurrenzstarke Stämme ausgetestet. Diese durchliefen dann eine spezielle „Schulung“, durch die sie gegen einzelne Schadpilze trainiert wurden. Durch dieses Verfahren kann der natürlich vorhandene Mykoparasitismus des Schimmelpilzes gezielt gegen Schadpilze eingesetzt werden.

Abbildung: A: Dichtes, weißes Myzel mit brauner Kruste des Wulstigen Lackporlings (G. adspersum) auf den Kontrollproben. B: Kontrollproben des Flachen Lackporlings (G. lipsiense) C: Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta) bildete neben einem dichten Myzelmantel auch Dauerorgane auf den Proben (Kontrolle) aus. D: Trichoderma atroviride verhinderte eine Besiedlung des Holzes durch den Wulstigen Lackporling (G. adspersum). E: Trichoderma harzianum/polysporum konnte eine Besiedlung durch den Flachen Lackporling (G. lipsiense) unterbinden F: Die mit Trichoderma atroviride behandelten Proben ließen kein Myzelwachstum des Brandkrustenpilzes (K. deusta) erkennen.

Wirkungsweise: Mykoparasitismus

Beim Mykoparasitismus wächst Trichoderma gezielt auf holzzersetzende Schadpilze zu. Die schnellwachsenden Hyphen winden sich um deren Pilzfäden (=Hyphen), heften sich an, scheiden dann enzymatische Verdauungssäfte zur Auflösung der gegnerischen Zellwände aus und ernähren sich dann von dessen Zellinhalt.

Abbildung: Eindringen in das Myzel von Inonotus hispidus (P) mittels Hyphen von Trichoderma (T).

Weitere Wirkungsweisen sind:

Die hohe Konkurrenzkraft des Schimmelpilzes durch sehr schnelles Wachstum und effizienter Nutzung von Nahrungsquellen.

Die Präimmunisierung, durch eine sogenannte „induzierte systemische Resistenz“ werden bei Wurzelkontakt mit Trichoderma von der Pflanze Botenstoffe gebildet, die sich in der ganzen Pflanze ausbreiten. Diese Präimmunisierung (erhöhte Konzentration an Botenstoffen) sorgt für eine schnelle Reaktionsfähigkeit der Pflanze auf einen Schaderreger, da die Botenstoffe, welche die Produktion von Abwehrstoffen auslösen, schon vorhanden sind. Damit kann die Pflanze schneller auf einen Schaderreger oder Schädlingsangriff reagieren. Die Abwehrstoffe werden im ganzen Pflanzenkörper produziert (=systemische Resistenz) sobald der Schaderreger/Schädling auftritt (=induzierte Resistenz).

Durch die Anregung des Wurzelwachstums und die Unterstützung der Nährstoffaufnahme geht eine erhöhte Stresstoleranz bei den Pflanzen aus.

Anwendung von Trichoderma in Form einer Kur über einen längeren Zeitraum

Gegen einige der bekanntesten Holzfäulen (z.B. Wulstiger Lackporling, Honiggelber Hallimasch, Riesenporling, Brandkrustenpilz …) kann Trichoderma in Form einer „Kur“ angewendet werden. Über vier Jahre sollten jeweils viermal die gegen den entsprechenden Erreger trainierten Sporen ausgebracht werden. Hierzu wird ein spezielles Gel (in dem die Sporen „schlafen“) in Wasser gelöst und – so aktiviert – dann über den Wurzelraum verteilt oder als Intensivanwendung das Gel direkt auf die Fruchtkörper oder offenliegende Fäule aufgepinselt.

Grundlegend für diesen Anwendungsbereich ist jedoch, dass die Behandlung nicht ohne eine vorherige Überprüfung der Verkehrssicherheit begonnen wird. Hierzu kann z.B. beim Befall einer Buche durch den Riesenporling (oder den Hallimasch) vorab ein Zugversuch zur Überprüfung der noch vorhandenen Standsicherheit des Baumes erforderlich sein. Beim Einsatz gegen den Brandkrustenpilz empfiehlt sich grundsätzlich eine sachverständige Begleitung, weil dieser Schadpilz nach dem ersten sichtbaren Auftreten eine besonders schnelle Ausbreitung im Holz der Wurzeln und der Stammbasis haben kann.

Wundbehandlung mit Trichoderma, um Infektionen mit Schadpilzen vorzubeugen

Auch zur vorsorglichen Behandlung von Schnittwunden kann ein entsprechendes Trichoderma-Gel aufgetragen werden, hierdurch ist es möglich (sogar bei einer direkten künstlichen Beimpfung mit Fäuleerregern) eine Besiedlung erheblich einzudämmen.

Aufpinseln von Trichoderma-Gel auf eine Schnittstelle

Abbildung: Deutliche Reduzierung der Besiedlung von Schnittwunden durch drei Fäulepilze

Negative ökologische Effekte sind durch Trichoderma-Anwendungen nicht zu erwarten. Dieser Schimmelpilz ist im Boden (nahezu) überall vorhanden. Selbst in der hohen Konzentration der Anwendung können keine negativen Auswirkungen auf Mykorrhizapilze oder auf Wurzelknöllchen festgestellt werden (Vogel, 2017). In vielen Fällen kann sogar mit diesen Symbionten (vgl. Kap.7.5) bewusst eine erfolgversprechende Behandlung kombiniert werden.